tagebuch


24.06.08


Rumänien 2008 (von Andi)



Donnerstag:
Der erste Lacher schon vor der Abfahrt. Unser neuer Tenorsaxophonist Hansi ruft mich zehn Minuten vor dem Treffpunkt an und meint er würde sich um 5 Minuten verspäten. Da weiß jemand nicht, dass moskovSKAya den Begriff cum tempore erfunden hat. Eine Stunde zu spät, aber sichtlich gut gelaunt geht die Reise dann los. Auch neu unser Bandinternes zwei Klassensystem, 6 Fahren die 1500 Kilometer, 3 fliegen.

Einen Kasten Bier und etliche Schnäpse später kommen wir in Budapest an. Natürlich haben wir (happy) erstmal den falschen Stadtteil angesteuert, Landeier in der Großstadt eben. Und schon merkt man wieder, dass Hansi neu ist. Will er doch tatsächlich Einheimische nach dem Weg fragen. Wie immer fahren wir aber auf gut Glück noch ne Stunde durch Buda und Pest und kommen dann zum Hotel. Aber ja nicht nachfragen!

Das Fußball-EM Viertelfinale Deutschland Portugal wollen wir auf jeden Fall sehen. Da wir uns auch da mal wieder mit der Straßenbahn verfahren enden wir in einer kleinen Spelunke die wir durch eine Lokalrunde erstmal zu Deutschlandfans machen. Geiles Spiel, lustiger Abend. Und ab in die Heia. Aber nicht für alle, einige gehen noch durch die Stripschuppen von Budapest. Während die einen noch feiern, sind die anderen schon am reiern.

Freitag:
Nach einem abartig schlechten Frühstück sind wir doch tatsächlich pünktlich losgefahren. Wahnsinn. Und einer hat doch tatsächlich wieder ein handwarmes Bier zum Frühschoppen. Auch Wahnsinn. Nach etlichen Stunden durch die Ungarische und Rumänische Einöde kommen wir in Cluj an. Auf der Suche nach jungfräulichen Nutten mit langjähriger Berufserfahrung verfahren wir uns und treffen so auf den ersten Abzocker, der uns ein Parkticket für stolze 13 Euro verkauft, das sind umgerechnet rund 50 Lei und somit ein kompletter Abend in einer Stangenbar für 6 Personen . Nach endlosen Telefonaten treffen wir vor dem Club dann doch tatsächlich auf unseren Bandjetset. Jetzt kann´s richtig losgehen.

Der Club ist brechend voll und nach zwei Stunden bei 45 Grad und 130 % Luftfeuchtigkeit auf der Bühne brechen wir erschöpft zusammen. Kaum zu glauben wie viele Deutsche auf unserem Auftritt waren. Da muss ein Nest sein.
Schon wieder verfahren, aber ein Taxi bringt uns mitten in der Nacht doch noch zum "Hotel", wo´s nach einem gute Nacht Bier dann etwas ruhiger wird.

Samstag:
Das Frühstück ist unwesentlich besser als gestern, aber wir haben´s mal wieder eilig. Für 300 Kilometer muss man in Rumänien 5 bis 6 Stunden einplanen. Die Straßen sind der Witz. So sahs bei uns nach dem ersten Weltkrieg aus. Aber das wurde ja dann geändert

Stopp in einem riesen Einkaufspark, Mittagessen und eine wichtige Anschaffung für die Bühnenfigur, ein Busfußball. Da wurde auf dem Parkplatz den Rumänen gezeigt warum Sie ausgeschieden sind und wir im Halbfinale stehen.

In Kronstadt angekommen können wir uns schon wieder vorstellen, wie heiß und stickig es in dem Gewölbeclub wird. Nach ausgiebigem Soundcheck und einem Essen ganz nach unserem Geschmack, also mit zwei Gängen aber 12 Getränkerunden gings dann in den Club. Unglaublich voll und fast noch heißer als am Freitag. Gott sei Dank drohen die Nachbarn zu randalieren, daher müssen wir nach einer guten Stunde aufhören. Stefan hat sich aber in der Zeit trotz extremen Magenschmerzen alles abverlangt und fällt deshalb nach dem Auftritt tot ins Hotelzimmer. Bis er dann von einem Saxer aus den Träumen gerissen wurde, aber dazu später.

Einige von uns gehen noch mit den Organisatoren in einen Club. Hier ist´s noch lauter als auf unserer Bühne, aber die Getränke sind dafür auf rumänischem Preisniveau. Macht alles erträglicher und attraktiver. Da auch die Taxis hier billiger sind als der Gummiabrieb von deutschen Schuhen auf der Strecke macht´s auch nichts, dass nicht alle gleich heimwollen. Aber gegen 6 treffen dann die letzten am Hotel ein und wecken unseren schlafenden Sänger. Muss ja wissen was er verpasst hat

Sonntag
Übernachtung im Grandhotel, das mit dem Frühstück geht also doch. Halt wohl nicht unter vier Sternen, aber so ordentlich gestärkt geht´s dann wieder in den Bus. Gentlemen-like fahren wir unsere Übernachtungsgäste noch in die Stadt und machen uns dann auf den Weg nach Iasi.

Der Karpatenaufstieg ist die Hölle, hier sind die Straßen noch schlechter und alles noch ärmer. Da kann man noch so fertig sein, auf solchen Straßen kann man nicht schlafen. Also muss man sich ablenken. Drei Liter PET-Flaschen Bier sind da genau das richtige.

Wieder der festen Überzeugung, dass man in einem Land ohne Strassennamenschilder den Weg dennoch finden kann, erkunden wir Iasi in einem nicht nachvollziehbaren Zick-Zack und landen irgendwann am Club, d.h. erst mal ein kleiner Shock, der Club ist eine abrissreife Industriehalle, dies jedoch nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick eröffnet sich im Innern ein Mega-Moderner Club, mit halbschwulen weißen Ledersofas. Respekt, dieses Club-Niveau findet man ja kaum in Deutschland.

Nachdem wir uns anhand unserer Vorband ein Bild vom Niveau Rumänischer Skabands machen können, können wir es kaum erwarten bis wir endlich auf die Bühne dürfen. Heute hat´s da nämlich endlich mal ausreichend Platz und angenehmes Klima. Und die beste Aussicht auf die rumänische Damenwelt. Und auch hier können wir nur sagen, die Rumänen können feiern, Respekt. Macht richtig Spaß hier zu spielen.

Schließlich kommen wir ans Hotel und müssen uns da schon von unserem Bandjetset verabschieden, die morgens um 6 Uhr schon losfliegen werden.

Montag
Hansi wollte auch zum Jetset gehören. Aber alles nicht so leicht, er hat sich zwar einen Flug buchen lassen, aber leider geht der erst einen Monat später. Also am Flughafen umbuchen und per Businessclass wieder nach Deutschland. Da ist die Gage recht zügig verbraucht.

Der Rest bekommt erstmal wieder ein ordentliches Frühstück und noch Busverpflegung von unserem Organisator. Vorbildlich. So gestärkt geht´s wieder auf die Straße.

Heute ist die große Bergetappe. Auf dem Weg durch die Karpaten haben wir fußballgroße Schlaglöcher, kurz vor dem Einsturz stehende Brücken und um 300 % überladene LKW als Hindernisse vor uns. Doch Manne gibt trotzdem ordentlich Gas. Als wir das endlich überstanden haben gibt´s kurz vor der Grenze nahe der Ukraine noch ein leckeres Essen im Grandhotel und dann geht's über die Ukraine weiter nach Österreicht. Mittlerweile fährt Andi und erwischt kurz nach Wien endlich eine Tanke, die uns 64,8 Liter in unseren 65 Liter Tank laufen lässt. Das war knapp, oha. Und dann weiter nach Deutschland, wo uns die Sparkasse morgens um 10 erstmal erzählt, dass usnere mitgebrachten Lei (Rumänische Währung) nirgends getauscht werden, und Happy uns dann aus sexuellen Motiven noch auf einen Leberkäse aufhält. Aber endlich, nach 27 Stunden Fahrt, sind wir wieder daheim und trotzdem der Meinung, wir würden es direkt wieder machen.

Danke auch ans Goethe-Institut die uns diese Tour ermöglicht haben. We´ll be back!